Dokumentation der Tagung "Ankunftsorte"

17. August 2016 / Johanna Klatt

Der Saal im Hainhölzer Kulturhaus war randvoll gefüllt, als am vergangenen Dienstag, Sven Dunker, Vorsitzender der LAG Soziale Brennpunkte Niedersachsen, und Antje Möllmann, Geschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes Landesverband Niedersachsen, den Startschuss für die Tagung „Ankunftsorte – Ankommen im Gemeinwesen“ gaben.

Diese Gebiete erfüllen eine zentrale Funktion für die gesamte Gesellschaft. „Was wissen wir über sie und die aktuellen Prozesse?“ Und: „was können möglicherweise neue Stadtteile aus ihren Erfahrungen lernen?“, lauteten Fragen, die im Zentrum der Tagung standen.

Mit dem Hinweis auf die gute und aktuell besonders intensive Zusammenarbeit zwischen der LAG Soziale Brennpunkte und dem Niedersächsischen Flüchtlingsrat zum Thema "Ankommen" im Gemeinwesen begrüßte Laura Müller vom Projekt "AMBA" und stellvertretend für ihre Organisation die Teilnehmenden der Tagung.

 

Vorträge

Inhaltlich eröffnete Professor Dr. Andreas Pott, Leiter des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien der Universität Osnabrück, unter dem Titel „Städte als Ankunftsorte Erfahrungen und Möglichkeiten“ die Diskussion.

 

Im Anschluss argumentierte Dr. Thomas Franke, vom Deutschen Institut für Urbanistik und vor dem Hintergrund der Erfahrungen des Programms Soziale Stadt in erster Linie für zweierlei: 1. Die Wichtigkeit der ressortübergreifenden Zusammenarbeit sowie eines integrierten Handlungskonzeptes, dass zum Beispiel durch die Einrichtung einer Stabsstelle begleitet werden könnte und 2. Die Möglichkeit der Übertragung von gesammelten Erfahrungen aus den insbesonderen städtischen Räumen auch in kleinstädtische bis ländliche Gebiete.

 

Frau Stefanie Nöthel, Leiterin der Abteilung Städtebau und Wohnen, Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung leitete daraufhin den Blick auf die Situation in Niedersachsen und wies noch einmal auf die Veranstaltung Niedersachen packt an hin, die am 29.August im HCC in Hannover stattfinden und die Themen „Wohnen und Leben“ in den Blick nehmen wird.: Link zur Einladung zur Dritten Integrationskonferenz "Wohnen und Leben" - Niedersachsen packt an

 

Der Input von Christa Frenzel, Erste Stadträtin der Stadt Salzgitter, zeigte zum Abschluss der ersten Tagungshälfte noch einmal eindrücklich das Beispiel „Salzgitter aus Sicht der Kommune“ und damit einer quantitativ ganz besonders stark von Zuzug Neuankommender geprägten Großstadt.

 

Tiefer hinein in einen „Ankunftsort“ ging es nach der Pause bei den Beiträgen von Anke Kasten und  Noura Labanieh, die Einblicke in die Ost- und Westsiedlung in Salzgitter Bad boten. "Die Arbeit mit Flüchtlingen ist nicht anders, als andere soziale Arbeit auch" und "Flüchtlingen haben schon Probleme, aber solche wie alle anderen normalen Leute in der Welt auch", lauteten einige der Aussagen, die Frau Labanieh nicht nur aus ihrer Sicht als Professioneller vor Ort, sondern auch vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erfahrungen, betonte.

 

Hannover, Burgdorf und Lüneburg hießen die drei Kommunen, aus denen schließlich weitere wichtige Beiträge zu den Prozessen des Ankommens und allen mit ihnen zusammenhängen besonderen Erfahrungen in die finale Diskussion einflossen.

  • Hierzu wiesen Susanne Konietzny und Agnes Skowronneck  aus dem Stadttteil Sahlkamp und Stöcken und vor ihren guten Erfahrungen aus der Landeshauptstadt darauf hin, wie wichtig  es ist, dass insbesondere die Kommunen Verantwortung übernehmen und die nötigen Infrastrukturen für eine professionelle Gemeinwesenarbeit bereit stellen.
  • Ihr Beispiel fand Unterstützung in den Perspektiven Barbara Martens aus dem Blickwinkel der Stadt Burgdorf, die unter anderem die Wichtigkeit der personellen Kontinuität bei der Arbeit vor Ort unterstrich: "Wir müssen fest ausgestattet sein in einer guten Gemeinwesenarbeit".
  • Uwe Nehring aus dem Lüneburger Soziale Stadt-Stadtteil wies unter anderem auf die Schwierigkeiten hin, die sich hinter dem Begriff der „Integration“ verbergen. Denn vor Ort gehe es nicht um eine einseitig verstandene Integration Einiger, sondern vielmehr um die „Teilhabe“ Aller im Stadtteil, ein Prinzip, mit dem in Kaltenmoor bei den Kindern und Jugendlichen unter den Bewohner/innen bereits intensiv begonnen wurde. 

 

Aus den Diskussionen und der gesamten Tagung heraus entstanden folgende gemeinsame Forderungen und konkreten Aufträge an die LAG Soziale Brennpunkte Niedersachsen:

Forderungen

1. Gemeinwesenarbeit (GWA) muss als Lösung für die Herausforderungen der Integration bekannt(er) werden!

2. Die Erfahrungen (das „Knowhow“) aus den städtischen, muss in die neuen Gebiete transferiert werden!

3. Die Arbeitsweise „Soziale Stadt“ muss weiterentwickelt und auch auf andere Gebiete in Niedersachsen übertragen werden!

4. Die Aus- und Weiterbildung von GWA muss gefördert und ihre Qualitätsstandards eingehalten werden! 

5. GWA braucht Kontinuität durch ausreichend Ressourcen, Finanzierung, Regelförderung!

 

Auftrag an die LAG

1. Eine "Offensive GWA" starten! Öffentlichkeitsarbeit betreiben und den Kontakt zur Presse suchen!

2. Eng mit Ausbildung, Forschung und Lehre zusammen arbeiten!

3. In Kontakt mit Vertreter/innen der Kommunen und Landespolitik treten. Dialog herstellen und GWA als Lösung für Herausforderungen der Integration präsentieren!

 

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, bei den großartigen Referentinnen und Referenten für ihre Beiträge und die großartige Zusammenarbeit sowie last but not least dem gesamten Team des Kulturtreffs Hainholz, dem Quartiermanagement und allen Engagierten aus Hainholz, die die kurzfristige Änderung des Veranstaltungsortes erst möglich gemacht haben. Danke!