Gelungener Abschluss für Gelingende Kooperationen

21. August 2017 / Moritz von Gliszczynski

Am 17.08.2017 fand im Kulturhaus Hainholz die Abschlussveranstaltung zum Forschungsprojekt „Gelingende Kooperationen im Sozialraum“ statt. Nach der Begrüßung durch den Vorstand der LAG soziale Brennpunkte gab es neben einer Vorstellung der Ergebnisse aus drei Jahren Forschungsarbeit Gelegenheit für das anwesende Fachpublikum, sich intensiv zum Thema Kooperation auszutauschen.

Im Vortrag zu den Ergebnissen des Projektes zu Beginn der Veranstaltung wurde den Teilnehmern dargelegt, mit welchen Begriffen und Methoden die Frage untersucht wurde, welche Bedingungen auf Quartiersebene zum Gelingen von Kooperation beitragen. Die Antwort: Aufbau, Pflege und Nutzung dichter Netzwerke vor Ort sind die wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass Kooperation gelingt – das lässt sich auch statistisch belegen. Natürlich ist in der Gemeinwesenarbeit schon lange bekannt, dass Netzwerkarbeit ein grundlegender und wichtiger Bestandteil der Tätigkeit im Quartier ist. Die Ergebnisse des Projektes sollen deshalb vor allem als Argumentationshilfe gegenüber Verwaltung und Geldgebern verstanden werden: Sie belegen objektiv, dass die oft schwer sichtbar zu machende Netzwerkarbeit im Quartier eine positive Wirkung auf die Ergebnisse von Gemeinwesenarbeit hat und daher nicht als Nebensache gelten kann.

 

Aber wie kann man die eigene Praxis der Kooperation in diesem Sinne verbessern? Dazu dienen die „Fünf Prinzipien der Kooperation“, die in der Praxis als Werkzeuge zum Steuern und Reflektieren der eigenen Arbeit dienen sollen:

  1. Bestandsaufnahme
  2. Informelle Kontakte
  3. Kommunikation
  4. Klare Strukturen
  5. Geteilte Ziele

Jedes dieser fünf Prinzipien wurde in einem Impulsvortrag von jeweils einer/einem Vertreter/in aus der Praxis in einem Impulsvortrag anhand Beispielen aus der eigenen Arbeit vorgestellt um die gemeinsame Diskussion einzuleiten. Die Teilnehmer/innen bekamen spannende Berichte zur Arbeit in Linden, Mittelfeld, Hainholz (alle Hannover) und Hasport (Delmenhorst) zu hören. Nach dem Mittagessen (Gestellt durch die Frauen des lokalen Vereins „Migranten für Agenda 21 e.V.“) wurde zu jedem der Fünf Prinzipien eine Praxiswerkstatt durchgeführt. Dort gab es Gelegenheit Erfahrungen aus der Praxis auszutauschen und zu diskutieren was sich konkret tun lässt damit Kooperation gelingt. Aus den angeregten Debatten in den Werkstätten entstanden viele spannende Ergebnisse. Hier nur eine kurze Auswahl der wichtigsten Schlüsse:

  • Zu einer Bestandsaufnahme zählt es nicht nur, Wissen über das Netzwerk zu sammeln, sondern auch sich selbst sichtbar zu machen und Informationen über sich zu verbreiten. Das funktioniert gut über niedrigschwellige Angebote wie Flyer. Es ist besonders wichtig herauszufinden ob es verschiedene Arten von Netzwerken gibt (z.B. formelle und informelle) und in welchem Verhältnis sie zueinander stehen.
  • Der Umgang mit informellen Kontakten ist schwer zu vermitteln und persönliche Netzwerke im Quartier können schwer von Person zu Person übertragen werden. Dennoch ist es wichtig, diesen Umgang zu reflektieren und strategisch anzugehen.
  • Man muss Zeit investieren, damit Kommunikation im Quartier auch funktioniert und zu gelingender Kooperation beiträgt. Man muss sich bewusst machen, dass kulturelle Unterschiede und unterschiedliche Wertvorstellungen dabei eine große Rolle spielen.
  • Bei der Schaffung klarer Strukturen ist es wichtig auch der Kooperation externe Machtstrukturen deutlich zu machen und einzubeziehen. Intern ist es wichtig, die Dopplung von Rollen, Hierarchien und gegenseitige Erwartungen transparent zu machen. Dabei lassen sich Visualisierungen gut nutzen.
  • Bei der Aushandlung geteilter Ziele ist es bedeutsam, auch Bewohner im Quartier ergebnisoffen nach ihren Zielen zu befragen und diese einzubeziehen. Ebenso wichtig ist es aber, dass Kommunen eigene Ziele setzen an denen sich Gemeinwesenarbeit orientieren kann.

Zum Abschluss wurde in einem Panel mit drei Experten (Frederik Groeger-Roth, Mario Rund und Claudia Schmidt) diskutiert, was mit den Ergebnissen des Projektes in der weiteren Arbeit auf Ebene der Quartiere und der LAG Soziale Brennpunkte angefangen werden kann. Das Ergebnis: Die Prinzipien lassen sich sicher in der Praxis nutzen, offene Fragen bleiben aber, so z.B. wie genau sich die Qualität von Gemeinwesenarbeit messen lässt. Zuletzt ein Auftrag der Teilnehmer an die LAG: Sich an Kommunen und kommunale Spitzenverbände zu wenden um dort die Bedeutung von GWA zu betonen – denn untereinander kooperieren Kommunen beim Thema GWA wenig, wodurch sich von Stadt zu Stadt ein sehr unterschiedlicher Kenntnisstand ergibt.